Die angespannte Lage bei Flüssiggas in Kambodscha ist kein isoliertes Marktproblem. Sie ist Teil eines breiteren Energieschocks, der seit Wochen Asien und andere Weltregionen erfasst. Für Kambodscha ist das besonders heikel, weil das Land bei Treibstoffen und LPG stark von Importen abhängt und im Normalfall weniger als einen Monat Vorräte hat.
In Kambodscha ist LPG derzeit der am stärksten betroffene Brennstoff. Energieminister Keo Rottanak erklärte am 23. März, dass die Regierung die Lage beobachte und gegensteuere. Er betonte zugleich, dass sieben Unternehmen LPG importieren und Sokimex nur rund 3 Prozent des kambodschanischen Marktes abdecke. Am 26. März hieß es aus Gesprächen mit TotalEnergies zusätzlich, dass es zwar einen deutlichen LPG-Mangel gebe, Benzin und Diesel aber vergleichsweise stabiler verfügbar seien.
Der Engpass ist damit real, auch wenn die Regierung einen flächendeckenden Zusammenbruch der Versorgung bestreitet. Reuters berichtete bereits Mitte März, dass zeitweise rund ein Drittel der Tankstellen in Kambodscha geschlossen war, bevor sich die Lage wieder etwas entspannte. Gleichzeitig erklärte Sokimex, seit Anfang März kein LPG mehr importieren zu können, und kündigte an, die Versorgung ab dem 1. April vorübergehend auszusetzen.
Für Verbraucher und Kleingewerbe ist die Wirkung bereits spürbar. Cambodianess berichtet, dass der LPG-Preis in den vergangenen Wochen von 0,425 auf 0,95 US-Dollar pro Liter gestiegen ist, während kleine Kochgasbehälter von 0,375 auf 0,625 US-Dollar zulegten. Genau das trifft die Gruppen, die im Alltag am stärksten auf LPG angewiesen sind: Haushalte, Straßenküchen und TukTuk-Fahrer.
Globaler Energieschock und Kambodschas Rolle
Die kambodschanische Entwicklung passt in ein größeres Bild. Die Internationale Energieagentur beschloss am 11. März die größte koordinierte Freigabe von Ölreserven ihrer Geschichte: 400 Millionen Barrel sollen auf den Markt kommen, um die Störungen durch den Krieg im Nahen Osten abzufedern. Auch die OECD warnt inzwischen, dass der Konflikt das globale Wachstum schwächt und die Inflation anheizt; für 2026 rechnet sie nur noch mit 2,9 Prozent Weltwirtschaftswachstum, während die Inflation in den G20-Staaten höher ausfallen dürfte als zuvor erwartet.
Besonders stark unter Druck steht Asien, weil viele Länder stark auf Energieimporte angewiesen sind. Reuters berichtet, dass der Präsident der Philippinen am 24. März einen nationalen Energie-Notstand ausrief; die dortigen Vorräte reichen nach Regierungsangaben nur etwa 45 Tage. Japan zapft bereits private, staatliche und gemeinsam mit Förderländern gehaltene Reserven an. Die Asiatische Entwicklungsbank warnt zudem, dass anhaltende Marktstörungen das Wachstum in Entwicklungsländern Asiens 2026 und 2027 um bis zu 1,3 Prozentpunkte drücken und die Inflation um 3,2 Punkte erhöhen könnten.
Fazit: Eine reale Verknappung
Gerade deshalb sollte Kambodschas LPG-Problem nicht als bloße lokale Preisanomalie gelesen werden. Das Land ist importabhängig, verfügt über keine eigene Raffinerie und muss Versorgungslücken kurzfristig über neue Bezugsquellen aus Singapore und Malaysia abfedern. Solange die internationale Lage angespannt bleibt, ist es plausibel, dass gerade bei LPG weitere Preissprünge und regionale Knappheiten auftreten, selbst wenn Benzin und Diesel politisch stärker abgefedert werden.
Unterm Strich ist die nüchterne Einordnung klar: Kambodscha erlebt derzeit keinen bloßen Social-Media-Hype, sondern eine reale Verknappung bei LPG im Rahmen eines größeren globalen Energieschocks. Die Regierung hat Gründe, vor Panik zu warnen. Ebenso gibt es gute Gründe, die wirtschaftlichen Folgen für Alltagsnutzer ernst zu nehmen.